Stadtmagazin - Norderstedt


Landesgartenschau: Alles im Zeitplan?

Norderstedt (rj) Die Landesgartenschau in Norderstedt soll 2011 eine der größten Attraktionen Norddeutschlands werden.

600.000 Besucher werden zu dem Großereignis vom 21. April bis 9. Oktober erwartet. Wir sprachen mit Geschäftsführer Kai Evers.

Wie zufrieden sind Sie mit dem Stand der Vorbereitungen? Die Vorbereitungen laufen sehr gut. Auf dem Gelände wächst und gedeiht alles. Wir haben bereits die erste Blüte, die Norderstedter schon beim monatlichen Parkspaziergang bewundert haben. Auch die Organisation ist auf einem guten Weg, ebenso wie die dauerhafte Gestaltung des Stadtparks. Wird es mehr als eine Blumenschau mit Veranstaltungen? Welchen Schwerpunkt möchten Sie setzen?
Sie wird natürlich auch eine Blumenschau mit Veranstaltungen sein. Aber sie ist mehr. Sie zeigt, wie im Rahmen eines solchen Ereignisses ein Naherholungsgebiet geschaffen wird, das dauerhaft das touristische Potential und die Attraktivität Norderstedts und der Region Südholstein erhöhen wird.

Begreift sich die Landesgartenschau auch als Impulsgeber für die Stadtentwicklung?
Ja. Die Tatsache, dass das Land den Stadtpark auf Basis eines Stadtentwicklungskonzeptes mit 3,6 Millionen Euro fördert, unterstreicht dessen Bedeutung für die Region.

Inwieweit profitieren Norderstedter Unternehmen von der Schau?
Zum einen profititeren natürlich die Unternehmen der grünen Branchen wie auch die Bauunternehmen der Region. Zum anderen hat eine solche Veranstaltung in der Regel eine nicht unerhebliche Wirkung auf die Hotellerie und Gastronomie.

Kann man sich denn als Bürger noch einbringen?
Auf jeden Fall. Es gibt immer wieder Aktionen und Möglichkeiten, sich für das Projekt Landesgartenschau zu engagieren, zum Beispiel als ehrenamtlicher Mitarbeiter oder als Gesicht der Landesgartenschau. Wir rufen immer mal wieder dazu auf, sich an einer bestimmten Aktion zu beteiligen und freuen uns dann natürlich auf regen Zuspruch. Manch einer wird sich denken, dass dies viel Aufwand für nur wenige Monate ist.

Bleibt Norderstedt denn etwas Dauerhaftes erhalten?
Mit der Schau entsteht ein Naherholungsgebiet, ein Stadtpark mit einer guten Infrastruktur und Attraktionen wie dem Naturbad, einer Parkgastronomie, der Waldbühne, verschiedenen Spielplätzen und einem Seerundweg.

Wie steht es mit Ihrem grünen Daumen?
Eher schlecht. Bei mir würde wohl nur eine Kaktee überleben. Es ist also gut, dass wir dafür Fachleute in unserem Team haben.

CDU:
Hoffen auf die Wasserskianlage

Die CDU war von der ersten Stunde an ein Befürworter der Landesgartenschau und hat aktiv an der Gestaltung mitgearbeitet. Leider haben andere politische Gremien es immer wieder geschafft, Maßnahmen in Zweifel zu ziehen und sie sogar verhindert. Für die Stadt ist dies eine Gelegenheit, sich positiv in Szene zu setzen und eine Attraktion für die Zukunft zu schaffen. Das dürfen wir uns nicht entgehen lassen. Regelmäßig informiert sich Partei und Fraktion durch Begehungen über den Fortgang der Landesgartenschau. Man kann wohl sagen, dass die Planer in der Zeit sind. Die Norderstedter können nach der Landesgartenschau diesen Park zur Erholung und zum Auftanken der persönlichen Energie nutzen. Der romantisch erscheinende See, das gut gestaltete Freibad und die großzügig angelegte Botanik laden dazu ein. Ergänzt wird es durch eine interessante Gastronomie, die schon jetzt für mindestens drei Jahre ihre Tätigkeit zugesagt hat. Vielleicht kommt ja auch noch die viel zitierte Wasserskianlage. 

SPD:
Werbung ist mangelhaft

Der Baufortschritt auf dem Ausstellungsgelände ist beeindruckend. Innerhalb weniger Monate ist eine vielfältige Park- und Seelandschaft entstanden. Jetzt kommt es darauf an, dass dieses Großereignis entsprechend aufwendig überregional vermarktet wird. Und hier setzt unsere Kritik ein: Obgleich innerhalb Norderstedts für die Landesgartenschau 2011 geworben wird, ist beispielsweise in Hamburg und dem Umland von dieser Werbung nichts mehr zu sehen. Fragen Sie Nicht-Norderstedter nach der Landesgartenschau, kommt häufig bloß ein ratloses Schulterzucken. Hier muss dringend mehr passieren! Es bleiben noch weniger als 300 Tage für die Geschäftsführung, aus dieser Werbung echte Begeisterung im Land zu machen. Für die Nachnutzung bleibt es dabei: Ruhe und Erholung sollen den Park prägen. Deshalb wird es mit uns keine Wasserski-Anlage in unmittelbarer Nähe zum Wohngebiet geben. Das Strandbad ist Baustein einer verantwortungsvollen Nachnutzung. Ein Kletterpark und eine feste Gastronomie am Kulturwerk halten wir für sinnvoll. 

GALiN:
Kostenfalle Unterhaltung

Die GALiN hat sich von Beginn an kritisch zur Landesgartenschau geäußert, wir hätten statt des hektischen Event-Charakters lieber eine überlegte und ökologisch nachhaltigere Überplanung des Parks gesehen. Daher beschäftigen wir uns auch nicht ausschweifend mit den Vorbereitungen auf dem Gelände, auch wenn uns die handwerklichen und landschaftsbaulichen Leistungen dort ohne Frage beeindrucken. Bei der Nachnutzung ist es der GALiN vor allem wichtig, dass der Stadtpark sofort nach Ende der Schau wieder allen Bürgern kostenfrei zur Verfügung steht – und dass er auch möglichst viele Norderstedter anspricht. Deshalb haben wir das Aus für die Wasserskianlage durchgesetzt. Das in Bau befindliche Freibad, der Spielplatz oberhalb des Sees oder auch eine anzusiedelnde Gastronomie mit breitem Angebot wird die Nutzung des Parks erhöhen. Wir bezweifeln aber, dass es überhaupt möglich ist, die hohen Unterhaltungskosten des Gartenschau-Geländes über die Nachnutzung hereinzuholen; vor dieser Kostenfalle hatte die GALiN stets gewarnt.

FDP:
Anbindung nicht im Zeitplan

Wir Liberalen haben die Landesgartenschau uneingeschränkt von Anfang an unterstützt. Gleichzeitig sind wir dafür eingetreten, dass ein Stadtpark entsteht, in dem möglichst viele der Anlagen wie Freiluftbühne, Naturbad und Lehrgärten weiterhin für alle Norderstedter nutzbar sind. Um die Pflege dieses Stadtparks auch ohne Eintrittsgelder finanziell zu unterhalten, benötigen wir aus Sicht der FDP Einnahmen von Privatinvestoren, die zum Beispiel eine Wasserskianlage, Gastronomie, ein Hotel mit Tagungsräumen, ja möglicherweise eine Seniorenwohnanlage schaffen. Bedauerlicherweise haben wir in der Stadtvertretung – noch – keine Mehrheiten dafür beziehungsweise haben mangelndes Fingerspitzengefühl seitens der Geschäftsführung und Verwaltung zügige Investitionen verhindert. Wir freuen uns, dass die gärtnerische Gestaltung so gut voran kommt. Kritisch sehen wir aber, dass die Verkehrsanbindung einschließlich des Knotens Ochsenzoll nicht im Zeitplan ist. Wir möchten, dass Gäste später beim Namen der Stadt nicht an Staus denken. 
tets gewarnt.

Die Linke:
Finanzierung ein Desaster

Was mich wirklich zornig macht, ist die Art und Weise, mit der die Menschen in dieser Stadt über die wahren Kosten der Landesgartenschau getäuscht werden. Ursprünglich wurde uns für nur 12,5 Millionen Euro eine vielleicht auch städtebaulich sinnvolle Maßnahme verkauft. Schon Ende 2008 war davon keine Rede mehr. Offizielle Zahl der Landesgartenschau zu diesem Zeitpunkt: 26,85 Millionen Euro. Mittlerweile hat man festgestellt, dass ein Parkplatz auch was kostet, dass man das Gelände ja auch kaufen musste und dass die Beleuchtung für den abends geschlossenen Park ja auch mit 1,2 Millionen Euro zu Buche schlagen wird. Mittlerweile sind 44 Millionen aufgelaufen, was in Krisenzeiten ein noch unverantwortlicherer Luxus ist, als es zu Planungszeiten war. Geld für Schulen und Kindergärten wird nicht mehr über sein. Da macht es dann auch Sinn, für die überwiegend pensionierten Gäste der Landesgartenschau acht verschiedene Friedhöfe zu zeigen. Unsere Jugend hat so in dieser Stadt kaum Perspektiven.



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