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Norderstedt | Volksbank Pinneberg-Elmshorn

€ Verabschiedung Dr. Alsmöller: „Es hat alles geklappt!“

Pinneberg (lm/kv) Der Aufsichtsrat der Volksbank Pinneberg-Elmshorn eG verabschiedete Dr. Horst Alsmöller nach seiner fast 25-jährigen Tätigkeit in feierlichem Rahmen in den Ruhestand. Verleger Sven Boysen hat sich mit dem jetzigen Pensionär zusammengesetzt und über seine Karriere aber auch über Privates gesprochen:

Sie haben 1994 bei der ehemaligen Volksbank Pinneberg Ihre Laufbahn begonnen. Was waren Ihre allerersten Aufgaben im Bankgewerbe?
Als ich 1994 kam, hatte die Bank gerade ihre Fusion zwischen Pinneberg und Uetersen. Vorher war ich Trainee bei der Dresdner Bank und musste alles von der Pike auf machen. Da habe ich an der Kasse gestanden, für Kunden Überweisungsträger ausgefüllt und Lastschriften gemacht. Die Kontoeröffnungsanträge wurden noch manuell aufgenommen und Zinsen nachträglich gestaffelt. Das kann ich mir heute nicht mehr vorstellen, es wäre auch nicht zeitgemäß.

Vor 30 Jahren kamen die ersten Bankautomaten und die Zeitungen berichteten über Arbeitsplätze, die verloren gehen. Heute sind auch die Bankautomaten nicht mehr nötig, weil die Leute sich ihr Geld im Supermarkt an der Kasse holen. Was war für Sie die größte, die gravierendste Veränderung im Bankbereich?
Das ist eine schwierige Frage. Ich war schon überrascht, als der Geldausgabeautomat aufkam. Ich konnte mir im ersten Moment nicht vorstellen, dass man an einen Automaten geht, Geld zieht und gar keinen Menschen mehr sieht. Zu der Zeit war ich noch im Studium in Münster und ich werde nicht vergessen, dass vor diesem Automaten eine Schlange von 20 oder 30 Leuten stand, die da nur Geld abholen wollten. Das war für mich schon eine echte Überraschung, wie so ein Automat auf Kunden wirkte und wie positiv die Kunden darauf reagierten.

Heute brauchen wir wieder weniger Automaten, weil die großen Konzerne ihre Geldentsorgung über den Einzelhandel selbst regeln wollen. Aber Geldausgabeautomaten und der Kontoauszugsdrucker, das waren große Diskussionen in den Jahren 1984/85. Wir haben als Bank überlegt, was passiert eigentlich, wenn der Kunde nur noch zum Geldausgabeautomaten kommt, seine Kontoauszüge holt und wieder geht, wir werden ja den Kontakt verlieren. Das hat sich aber immer weiterentwickelt und wir versuchen jetzt eben andere Instrumente zu schaffen, um den Kunden an die Bank zu binden und in Beratungsgespräche zu kommen. Die Diskussion, wie viel Technik lässt man zu beim Kunden, um ihn nicht ganz zu verlieren, wird im Prinzip schon seit 30 Jahren so geführt.

Wenn ich heute einen Kredit brauche geh ich ins Internet und sage, ich möchte 100.000 Euro haben. Das Internet, die Crowd bietet mit oder es gibt große Banken. Früher ist man zu seinem Banker gegangen, der einen noch aus der Schule gekannt hat. Geht das in die richtige Richtung?

Ich glaube, der Weg lässt sich gar nicht mehr umkehren. Früher kam jemand und sagte: Ich brauche 50.000 für eine Existenzgründung und man hat das per Handschlag gemacht und gesagt, hier hast du die 50.000 und jetzt ist alles gut. Den Weg gibt es heute nicht mehr. Teilweise wird das automatisiert und teilweise sind wir in diesem Beratungsbereich auf einem Level, da wird es echt kompliziert, da brauchen wir spezielle Berater. In den einfacheren Bereichen wird alles wegautomatisiert, weil die Kosten für die Banken zu hoch geworden sind. Jede Bank kämpft da ums Überleben und versucht, diese kleineren, einfacheren Bereiche voll zu automatisieren, um in anderen Bereichen qualitative Beratung anbieten zu können.

Gespräche wie: „Ich kenne Sie seit 30 Jahren, damals haben Sie mir mein erstes Auto finanziert im persönlichen Gespräch und ich fand das damals toll, wie einfach das war“, das sind Geschichten, die wird man nur noch aus der Vergangenheit hören. Da geht etwas Menschliches weg und vielleicht auch etwas an Kultur, aber man muss sich am Ende des Tages auch fragen, ob diese Kultur heute überhaupt noch von den Nachfragenden gewünscht wird. Das muss man akzeptieren und man muss es auch akzeptieren, dass viele Ältere kommen und das eben doch noch schön finden und auch vermissen. Aber man kann sie da eigentlich nur noch abholen und sagen, das war eine schöne Zeit, aber wir können die Zeit heute so nicht mehr leben.

Auf der einen Seite gibt es die Plattform, auf der ein Existenzgründer seine Pläne eingibt und dann seinen Kredit bekommt oder nicht, und auf der anderen Seite gibt es den Horst Alsmöller: Was ist erfolgreicher, der Algorithmus oder das Gefühl?
Das ist eine echt schwere Frage. Ich würde immer versuchen, wenn ich ein Existenzgründer wäre, sowohl das zu machen, was das Internet mir bietet als auch noch einen Berater persönlich zu fragen, ob das sinnvoll ist, ob das Bestand hat. Das andere, das Materielle, welches das Internet bietet an Abfragen, an Beratungen, das würde ich auf jeden Fall immer auch noch mitnehmen heutzutage. Es zwingt einen neben dem Bauchgefühl logisch zu denken. Aber ich würde auch versuchen das Bauchgefühl bei einem der Berater abzuholen. Diese doppelte Absicherung wäre mein Ziel.

Sie haben wahrscheinlich jede Menge intime Einblicke in verschiedene Geschäftsideen erhalten. Gibt es eine Geschäftsidee, bei der Sie gerne miteingestiegen wären, die Sie interessiert hätte, wenn Sie vor 30 oder 40 Jahren gewusst hätten, dass das laufen würde?
Nein, die gibt es ehrlich gesagt nicht. Als Banker war ich immer relativ weit von diesen Firmenideologien und Visionen entfernt. Ich habe mir gerne angeschaut, was andere so vorhatten und das von der Plausibilität her beurteilt, aber ich bin nicht der Typ gewesen zu sagen, ich entwickle selbst eine Vision. Ich habe mich aber x-mal geärgert, dass ich einen Hype nicht erkannt habe, bei dem man sagt, dass hätte man doch vor zehn Jahren erkennen müssen, dass das absolut der Boom wird, zum Beispiel im Internet, mit den Handys usw. Das ist schwer zu beurteilen, aber diese Sache ist bei mir persönlich als Banker etwas vorbeigegangen. Da erlebe ich eigentlich jetzt erst meine Erkenntnis, zu sagen, Mensch, das hätte man doch sehen müssen, dass sich die Gesellschaft dahin entwickelt.

Heute interessieren mich diese Zukunftsfragen, die Zukunftsforscher deutlich mehr. Aber wenn ich mich heute damit befasse, wer Zukunftsforscher im Internet ist, das kann man ja googlen, da bin ich manchmal schon enttäuscht. Die sagen zwar Strömungen voraus, aber so konkret ist das dann auch nicht immer. Wenn ich zum Beispiel Tesla sehe, das war ein Hype und jetzt versuchen die deutschen Konzerne nachzukommen. Vielleicht sind die deutschen Konzerne, die deutschen Automobilbauer nachher sogar die besseren, weil sie strukturmäßig besser aufgestellt sind, aber Tesla hatte vor zwei Jahren das Image, der Einzige zu sein. Das als Banker zu beurteilen ist verdammt schwierig. Ich halte es für schwierig vor drei Jahren zu sagen, Tesla wird das Rennen machen, denn heute könnte ich mir vorstellen, dass die deutschen Autokonzerne aufholen. Im Fazit war es für mich immer schwierig, mir diese Visionen vorzustellen.

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